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Isabelle Huppert

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Bérénice: Die einsame Tragödie einer verlassenen Liebenden

Im neu eröffneten und umbenannten Théâtre Sarah Bernhardt in Paris inszeniert Romeo Castellucci eine überarbeitete Version von Racines "Bérénice" mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle. Dieses Theaterstück war das Highlight des Herbstes 2024. Doch trotz der hohen Erwartungen begleitet diese Produktion eine gewisse Enttäuschung.

Isabelle Huppert als Bérénice

Isabelle Huppert steht allein oder fast allein auf der großen Bühne des renovierten Théâtre de la Ville-Sarah Bernhardt. Sie verkörpert Bérénice, die vor dem Spiegel ihrem Verzweiflung ins Auge blickt – eine einsame Reise einer verzweifelten Liebenden. Romeo Castellucci präsentiert Racines Text als eine lange Klage einer verlassenen Frau. Isabelle Huppert spricht nur die Worte von Bérénice. Die Dialoge von Titus, Antioche und den anderen Figuren sind verschwunden und werden zu "phantomhaften Worten", wie der italienische Regisseur es ausdrückt. Das Ergebnis ist der tragische Monolog einer Frau, die sieht, wie ihre Liebe sich abwendet und verschwindet.

Die radikale Neuinterpretation

In Racines Original gibt es ein Liebesdreieck: Bérénice liebt Titus, Titus liebt Bérénice, aber auch Antioche liebt Bérénice und Titus. Doch die politischen Umstände in Rom führen dazu, dass keine ausländische Königin akzeptiert wird. Jeder geht mit zerstörter Liebe auseinander. In Castelluccis Version werden die Männer ausgelassen. Cheikh Kébé (Titus) und Giovanni Manzo (Antioche) haben kein Sprechrecht. Die liebenden Männer von Bérénice tanzen, kämpfen und entfernen sich. Der Senat agiert hinter den samtigen Vorhängen im Hintergrund. Bei Racine sprudelt die Sprache, ihre Ausbrüche sind betäubend. "Nein, ich höre nichts mehr. Ich bin entschlossen. Ich will gehen. Warum zeigt ihr euch mir? Warum quält ihr mich weiter? Seid ihr nicht zufrieden? Ich will euch nicht mehr sehen", gesteht Bérénice schließlich erschöpft.

Castellucci verfremdet Hupperts Stimme mit einem Vocoder. Sie spricht allein, selbst ihre Stimme gehört ihr nicht mehr. Die Schauspielerin durchquert 1 Stunde und 40 Minuten lang die Bühne, nur geschützt durch den Schleier, der die vierte Wand verdeckt. Sie fordert, taumelt, bricht zusammen, rebelliert und flieht schließlich schreiend, als sich der Vorhang öffnet: "Schaut mich nicht an... Schaut mich nicht an." Doch die Unverfrorenheit ihrer Verzweiflung ist bereits enthüllt.

Erfolg oder Skandal?

Die Erwartungen im Publikum und bei den Kritikern waren hoch. Castellucci, Huppert und Racine – das Trio versprach viel. Der italienische Regisseur ist bekannt für seine bildgewaltigen und faszinierenden Inszenierungen. Doch die Meinungen sind geteilt. Ist es ein Erfolg oder ein Skandal? Die Antwort liegt im Auge des Betrachters.

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